Friedhof Meiringen


«Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus.»

Bestattung auf dem Friedhof Meiringen

Mit Bestattungen ihrer Verstorbenen haben die Menschen schon vor 100‘000 Jahren vor Christus begonnen. Will man etwas über die Geschichte eines Ortes erfahren, so besucht man dessen Friedhof.

Seit im Haslital beerdigt wird, fanden die Menschen ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof, welcher neben der Michaelskirche angelegt ist. Der Friedhof Meiringen ist wunderschön gelegen. Nordseitig geschützt durch den Kirchbergwald, mit Aussicht auf das imposante Bild der Engelhörner im Süden, umrahmt der Friedhof Meiringen die über unsere Landesgrenzen hinaus bekannte Michaelskirche.

Friedhofkultur

«Das einzig wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe die wir hinterlassen, wenn wir ungefragt gehen müssen.»


Unsere Kultur

«Wir sind traurig, dass Du gingst, aber dankbar, dass es Dich gab.»

Wenn wir einen Menschen, den wir geliebt haben und dem wir sehr nahe standen, auf den Friedhof zu seiner letzten Ruhestätte begleiten, sind wir erschüttert, manchmal zornig, oft aber auch ein wenig dankbar - in jedem Fall aber sehr traurig.

Nach einiger Zeit wird dieser Ort aber auch äusserst wichtig. Ein Ritual vom regelmässigen Spaziergang entsteht.

Jeder besucht seinen Ort, an welchem der geliebte Mensch, der Freund oder die Freundin seine letzte Ruhe gefunden hat, anders. Oft begegnet man auf dem Friedhof auch anderen Menschen mit dem gleichen Ziel.

Man nimmt sich Zeit, plaudert, erinnert sich…oft entstehen mit der Zeit sogar Freundschaften.

Der Friedhof hat sein eigenes Zeittempo: Selten sieht man auf dem Friedhof jemanden hetzen. Deshalb ist er auch immer wie eine Zeitoase.

Menschen, die jemanden verloren haben, sollen auf dem Friedhof einen Ort finden, der bei der Trauerarbeit sehr wichtig ist: Einen Besuch am Grab machen, eine Rose bringen, eine Kerze anzünden. Ab und zu mit anderen Besuchern plaudern, im Frühjahr auf einer Bank den Vögeln zuhören, im Sommer sich durch die letzten Sonnenstrahlen wärmen oder am frühen Morgen einfach die Stille geniessen.

Die alten Völker benutzten den Ort, wo sie Ihre Verstorbenen bestatteten, gar als Versammlungsort bei Zusammenkünften.

Wir möchten unseren Friedhof mit der sanften Neugestaltung auch zu einem Ort gestalten, wo man Ruhe findet…Begegnungen macht…sich Zeit nimmt.

Unendlich wichtig sind die Begegnungen auf dem Friedhof.
Unendlich wichtig ist es, in dieser Zeit Ruhe und Trost zu finden. 

Unsere Geschichte


Gräber auf dem Friedhof Meiringen

1871 | sterben während ihrer Internierungszeit in Meiringen drei französische Soldaten an Thyphus: Jean-Marie Breton, Antoine Chapuis und Joseph Emonet
 
1875 | Grabstein des verdienten Pfarrers Johannes Immer 1809-1875

1892 | Andreas Willi 1834-1892 Lehrer, Wirt, Grossrat und Bernischer Regierungsrat. Er erwirkte, dass der Kanton Bern einen grossen Teil der Aare-Korrektur übernahm, und sich die Landschaft Hasli nicht zu stark verschuldete.

1893 | vom 23. August bis am 10. September sterben 6 Kinder, darunter Zwillinge der Familie von Bergen von Schattenhalb, an Diphterie. Anna, Johannes, Gottlieb, Ernst, Hans-Rudolf und Elisabeth waren 12, 8, 6, 2 und 1 Jahr alt

1899 | Johanna Hendrika Kuyper, Frau des holländischen Theologen, Schriftstellers und späteren Ministerpräsident von Holland. Die Grabstätte seiner Frau wird von der hiesigen holländischen Gemeinde betreut.

1914-1918 | Erster Weltkrieg. Im ersten Weltkrieg flüchtete ein Teil der französischen Nordarmee in die Schweiz. Meiringen beherbergte wiederum eine grössere Anzahl Internierter.
 
1916 | starb Caporal Lavignac Gabriel
 
1917 | starb Soldat Joseph Eonet 

Die Grabmale stehen alle auf dem Kirchenareal der Michaelskirche.
Der Text wurde uns freundlicherweise von Herrn Fritz Holzer zur Verfügung gestellt.

Friedhofgestaltung im Wandel der Zeit

War es einst üblich, dass die Menschen auf dem Friedhof vor allem in Form von Erdbestattungen zur letzten Ruhe gebettet wurden, kennen wir heute viele individuelle Formen der Bestattung:

- Die Erdbestattung
- Die Kremation mit anschliessender Urnenerdbestattung
- Die Kremation mit anschliessender Beisetzung in ein bestehendes Grab
- Die Kremation mit anschliessender Bestattung in der Nischenwand
- Die Kremation mit anschliessender Aschenleerung im Gemeinschaftsgrab
- Die Kremation mit anschliessender Aschenleerung im Naturfriedhofgrab

Es ist uns ein Anliegen, unseren Friedhof nicht völlig umzugestalten: Haben doch unsere Vorfahren hier bereits einen speziellen und vor allem individuellen Ort des Friedens geschaffen, dessen Charakter wir auch erhalten möchten. Wir möchten aber auch der Zeit entsprechend die verschiedenen Möglichkeiten der Bestattung anbieten und unserem Friedhof den individuellen und persönlichen Charakter lassen.

Seit 1995 wurde der Friedhof Meiringen etappenweise neu gestaltet. Die Grösse der Gräber wurde einheitlich gehalten, egal ob Erdbestattungs- oder Urnengrab. Die grossen Wege wurden gepflastert und sind somit auch für Rollstühle/ Rollatoren begehbar. Mit dem Bau einer Nischenwand wurde einer weiteren Bestattungsform Rechnung getragen.

Bei der letzten Bauphase, die im Frühjahr 2013 beendet wurde, realisierte man neben der Sanierung der Wasserleitungen und der Pflästerung eines der Hauptwege auch ein gepflasterter Platz mit einer wunderschönen Brunnenanlage. Es war ein weiterer Schritt dahin, den Friedhof auch als Raum zur Begegnung zu schaffen.

Im Jahr 2013 wurde eine zusätzliche Urnennischenmauer realisiert.

Im verlauf der folgenden Jahre wurde der untere Friedhofteil in das sanfte Neu- bzw. Umgestaltungskonzept einbezogen.

Den Anfang dazu bildete das Jahr 2016, in dem man den wunderschönen Holzengel und die buntbemalten Kistli beim Kindergrabfeld realisierte.

Auch in den darauffolgenden Jahren plante man verschiedene Umgestaltungsmöglichkeiten.

Abgesehen von der äusseren Form (Grösse, Höhe der Grabmäler) dürfen die Angehörigen die Gräber ihrer Liebsten grösstenteils so gestalten, wie es für sie stimmt. Ausnahmen von dieser Regel sind in Art. 34 des Friedhof- und Bestattungsreglementes aufgelistet. 

Friedhof Meiringen


«Trauer ist ein Fluss, in dem man nicht gegen den Strom schwimmen kann.»